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Hereditäres nicht-polypöses Kolonkarzinom (HNPCC / Lynch-Syndrom)

Untersuchte Gene:   

MLH1, MSH2, MSH6, PMS2, EPCAM    

 

Methodik







Material






Dauer








Ansprechpartner


Sequenzierung, MLPA







3-10 ml EDTA-Blut






4-6 Wochen








Perne / Aretz


 

Anforderungsschein

 

Klinische Symptomatik

Das hereditäre nicht-polypöse Kolonkarzinom (HNPCC / Lynch-Syndrom) ist ein erbliches Tumorsyndrom, das durch ein deutlich erhöhtes Risiko für das Auftreten bestimmter frühmanifester Krebserkrankungen gekennzeichnet ist. Der häufigste Tumor im Rahmen eines HNPCC ist das kolorektale Karzinom. Etwa 3% aller kolorektalen Karzinome werden durch ein HNPCC verursacht. Es stellt somit die häufigste Form der erblichen Dickdarmkrebs-Erkrankungen dar. Der Ausdruck „nicht-polypös“ soll das Krankheitsbild von den anderen Formen des familiären Darmkrebs, vor allem der Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), abgrenzen. Zum Tumorspektrum der Erkrankung gehören neben den kolorektalen Karzinomen auch Krebserkrankungen anderer Lokalisationen (wie Endometrium, Ovar, Dünndarm, Magen, ableitende Harnwege, Haut, Gallengang, Pankreas und Gehirn).

Genetik

Das HNPCC folgt einem autosomal-dominanten Erbgang. Es sind vier Gene (MLH1, MSH2, MSH6, PMS2) bekannt, in denen Keimbahnmutationen zum Auftreten von HNPCC führen. Weiterhin wurden bei HNPCC-Patienten mit einem Verlust des MSH2-Proteins im Tumor auch Keimbahndeletionen des vor dem MSH2-Gen liegenden EPCAM-Gens gefunden. Die vier HNPCC-Gene kodieren für DNA-Reparatur-Enzyme, die bei der DNA-Replikation entstandene falsche Basenpaarungen korrigieren.

Die fehlerhafte DNA-Reparatur in der Tumorzelle spiegelt sich in einer Veränderung von repetitiven DNA-Sequenzen, den so genannten Mikrosatelliten, wider. In der immunhistochemischen Untersuchung lässt sich dann in der Regel der Ausfall des entsprechenden DNA-Reparatur-Proteins nachweisen.


Abklärung der Verdachtsdiagnose HNPCC

Eine Abklärung (immunhistochemische Anfärbung der DNA-Mismatch-Reparatur-Proteine MLH1, MSH2, MSH6 und PMS2, ggf. Mikrosatellitenanalyse, ggf. molekulargenetische Untersuchung) sollte erfolgen, wenn bei einem Patienten oder in der Familie die klinischen Kriterien für HNPCC (Amsterdam-Kriterien, Bethesda-Kriterien) erfüllt sind. Die Bethesda-Kriterien können in vereinfachter Form mittels des folgenden Fragebogens  abgefragt werden.

Bei Verdacht auf ein HNPCC werden in der Regel zunächst Untersuchungen am Tumorgewebe des erkrankten Patienten (Indexpatient) durchgeführt. Findet man im Tumorgewebe eines Patienten, der die Bethesda-Kriterien erfüllt, eine MSI, und/oder immunhistochemisch den Ausfall eines DNA-Reparaturproteins, so ist das Vorliegen eines HNPCC sehr wahrscheinlich. Die molekulargenetische Diagnosesicherung erfolgt durch den Nachweis einer Keimbahnmutation in dem entsprechenden DNA-Reparaturgen.

Für die Untersuchung des Tumorgewebes eines Patienten (auch eines verstorbenen Indexpatienten aus der Familie) bezüglich HNPCC / Lynch-Syndrom benötigen wir:

•    Kurzes Anschreiben (bitte mit Angabe eines Ansprechpartners für eventuelle Rückfragen)

•    Überweisungsschein Muster 6 oder Muster 10

•   Schriftliche Einverständniserklärung für die wissenschaftliche Studie „Familiärer Darmkrebs“ des Patienten bzw. wenn der Indexpatient bereits verstorben ist, Einverständniserklärung eines Angehörigen

•    Detaillierte klinische Angaben (z.B. Arztbriefe, histopathologischer Befund)

•    Familiengeschichte bzw. Stammbaum

•    3-10 ml EDTA-Blut (wird ggf. für Mikrosatellitenanalyse benötigt)

 

Ausführlichere Informationen

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