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ACE-Hemmer/ Angiotensin-Rezeptor-Blocker induziertes Angioödem

Identifizierung von Risikofaktoren für ACE-Hemmer oder Angiotensin Rezeptor Blocker induzierte Angioödeme (Pharmgen_Angioödem Studie)

 

Arzneimittel-induzierte Angioödeme

Angioödeme sind spontan auftretende Flüssigkeitsansammlungen der tieferen Haut- und Schleimhautschichten, die zu sichtbaren Schwellungen führen. Betroffen ist oft das Gesicht, die Schwellungen können aber auch in anderen Arealen der Haut oder in Schleimhäuten von Zunge, Kehlkopf und Magen-Darm-Trakt auftreten. In der Regel sind diese Schwellungen nicht lebensgefährlich. Treten solche Schwellungen jedoch im Bereich der Zunge, des Rachens oder Kehlkopfes auf, kann ein Angioödem aufgrund der möglichen Erstickungsgefahr lebensbedrohlich für die Patienten sein.

Neben anderen Ursachen werden Angioödeme als bedeutsame Nebenwirkung bei Einnahme bestimmter Medikamente beobachtet (sog. Arzneimittel-induzierte Angioödeme). Die Gruppe der Arzneimittel-induzierten Angioödeme lässt sich grob in allergische und nicht-allergische Formen unterteilen. Angiotensin converting enzyme (ACE)-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor Blocker (ARB) induzierte Angioödeme sind für den Großteil der nicht-allergischen Formen verantwortlich. Anders als bei den allergischen Formen spielt nicht Histamin sondern Bradykinin als Mediator eine Rolle und bei betroffenen Patienten tritt in der Regel keine Nesselsucht (Urtikaria) auf. Kortikosteroide, Antihistaminika und Adrenalin (oder Adrenalinderivate), die bei den allergischen Angioödemen oft therapeutisch wirksam eingesetzt werden, zeigen bei ACE-Hemmer oder ARB induzierten Angioödemen daher auch keine/ kaum Wirkung. So gibt es im Moment kein zugelassenes Medikament für die Behandlung von ACE-Hemmer oder ARB-induzierten Angioödemen.

Von größter Bedeutung ist daher, dass nach dem Auftreten eines solchen Angioödems die Ursache frühzeitig erkannt wird. Sonst kann es bei weiterer Einnahme eines ACE-Hemmers oder ARBs zu einer Zunahme der Anzahl und Schwere der Angioödem Attacken kommen.

 

ACE-Hemmer/ ARB-induzierte Angioödeme

Etwa 0,1 - 0,7% der Patienten, die einen ACE-Hemmer einnehmen, entwickeln unter der medikamentösen Therapie ein Angioödem.  Bei der Einnahme eines Angiotensin-Rezeptor Blockers ist die Wahrscheinlichkeit ein Angioödem zu entwickeln weniger als halb so groß. Man schätzt deshalb, dass in Deutschland etwa 20.000-35.000 Fälle von ACE-Hemmer induzierten Angioödemen pro Jahr auftreten.

Wenn das ACE-Hemmer/ ARB induzierte Angioödem auftritt, dann bei ungefähr 50% der Patienten innerhalb der ersten Woche nach Beginn der medikamentösen Therapie. Es kann aber auch Monate oder sogar Jahre dauern, bis ein solches Angioödem zum ersten Mal als Nebenwirkung der Medikamenteneinnahme auftritt.

Da nicht jeder Patient, der einen ACE-Hemmer oder ARB einnimmt, ein Angioödem entwickelt, geht man davon aus, dass es zusätzliche persönliche und/ oder genetische auslösende Faktoren gibt. So wurden als Risikofaktoren ein höheres Alter (> 65 Jahre) und Rauchen beschrieben. Studien besagen zudem, dass ACE-Hemmer induzierte Angioödeme 4-5x häufiger bei Menschen mit afrikanischer Abstammung auftreten. 

In kleineren Patientenkollektiven wurde bereits einige Kandidatengen-Studien und eine genomweite Assoziationsstudie (GWAS) durchgeführt. Die meisten der in diesen Studien identifizierten genetischen Varianten wurden in Genen gefunden, die im Zusammenhang mit Bradykinin stehen, welches als ursächlich für diese Art des Angioödems gilt.  Jedoch konnten die Ergebnisse dieser Studien bisher nicht eindeutig reproduziert bzw. verifiziert werden, weshalb die genetischen Faktoren, die zur Entstehung von ACE-Hemmer oder ARB induzierten Angioödemen beitragen bislang nicht bekannt sind.

 

Forschungskonzept

Die Pharmgen_Angioödem Studie ist ein gemeinsames Forschungsprojekt mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Es hat das Ziel, potenzielle genetische und nicht-genetische Risikofaktoren für die Entstehung von ACE-Hemmer oder ARB induzierten Angioödemen zu identifizieren.

Als Grundlage für die genetische Forschung wird derzeit mit mehreren kooperierenden klinischen Zentren (z.B. Universitätskliniken) und durch niedergelassene Ärzte in Deutschland eine DNA-Bank aufgebaut. Durch den Patienteneinschluss in mehreren Zentren soll erreicht werden, dass eine ausreichend große Anzahl an betroffenen Patienten rekrutiert werden kann.

Zur Charakterisierung nicht-genetischer, äußerer Risikofaktoren, werden durch einen Fragebogen Daten zur Krankengeschichte der Patienten erhoben. Diese Daten werden zusammen mit den genetischen Daten in ein Angioödem-Register eingebracht.

Das Ziel des Projekts ist durch die Identifizierung der Risikofaktoren Gruppen von Patienten zu identifizieren, deren Risiko für das Auftreten der Angioödeme erhöht ist. Darüber ergeben sich möglicherweise auch Hinweise, wie die Therapie dieser Angioödeme verbessert werden kann.

Außerdem sollen auch grundlegende Erkenntnisse über biologische Faktoren gewonnen werden, die allgemein am Auftreten einer akuten Schwellung beteiligt sind.

 

Studienteilnehmer gesucht!

Wenn Sie auch von einem ein Angioödem betroffen sind oder waren, das durch ACE-Hemmer oder ARB verursacht wurde und Interesse haben, die Studie durch Ihre Teilnahme zu unterstützen, dann melden Sie sich bei uns unter 0228/287-51070 oder cmathey@uni-bonn.de. Weitere Informationen zur Studie und deren Ablauf finden Sie hier, in unserem Patienten-Informationsflyer.

Beteiligte Mitarbeiter:

Prof. Dr. med. Markus M. NöthenNöthen, Prof. Dr. med. Markus M.
Funktion: Projektleiter
Facharzt für Humangenetik, Institutsdirektor
Tel: 0228 - 287 - 51001
Email: markus.noethen@uni-bonn.de

 

Dr. rer. nat. Christiane StieberStieber, Dr. rer. nat. Christiane
Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Tel: 0228 - 287 - 51070
Email: cstieber@uni-bonn.de


Carina Mathey

Funktion: Naturwissenschaftliche Doktorandin
Tel: 0228 - 6885 - 434
Email: cmathey@uni-bonn.de

 

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Prof. Dr. med. Bernhardt Sachs
Tel: 0228/207-3156
E-Mail: bernhardt.sachs@bfarm.de

 

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